Eröffnungskonzert der 56. Merseburger Orgeltage
September 12 @ 18:00 - 19:30

Eröffnungskonzert der 56. Merseburger Orgeltage
CHOR
Angelica Leánykar (Angelika Mädchenchor Budapest)
LEITUNG CHOR
Zsuzsanna Graf
AN DER LADEGASTORGEL
Zsolt Máté Mészáros
Es ist uns eine große Freude, diese Auswahl der schönsten Perlen der ungarischen Chormusik zu präsentieren. Unser Programm umfasst die reiche ungarische Kompositionstradition vom Barock bis zur Gegenwart und zeigt die Vielfalt, die die ungarische Chorkultur weltweit berühmt gemacht hat.
Im ersten Teil des Konzerts erklingen Werke bedeutender Persönlichkeiten der ungarischen Musikgeschichte. Pal Esterházys Sammlung „Harmonia Caelestis” gehört zu den herausragenden Werken der ungarischen Barockkirchenmusik, die durch das Orgelwerk von István Koloss mit späteren Epochen verbunden wird. Pal Esterházy war nach einer militärischen Karriere in den Kriegen der habsburgischen Herrscher gegen die Türken einer der ersten ungarischen Komponisten katholischer Kirchenmusik. Auch István Koloss’ beruflicher Weg führte infolge des Zweiten Weltkrieges erst auf Umwegen zur Musik zunächst sollte er Bauingenieur werden, arbeitete dann in einem Konstruktionsbüro und konnte erst mit 21 Jahren ein Musikstudium in Betracht ziehen, das ihn auf den Weg zu einem der bedeutendsten Orgellehrer und Komponisten Ungarns führte.
Einen besonderen Platz in unserem Programm nimmt Zoltan Kodály ein, der nicht nur als Musikpädagoge Weltruhm erlangte, sondern auch für seine außergewöhnlichen Chorwerke bekannt ist. In seinen Kompositionen spielen ungarische Volksmusik, Poesie und christliche Tradition gleichermaßen eine entscheidende Rolle. Der „Hymnus an den heiligen König Stephan” ist eine Hommage an den ersten ungarischen König (der von der Staatsgründung im Jahr 1000 bis 1038 regierte), während „Gebirgsnächte” und „Verlassen bin ich” die subtilen Schwingungen der Natur und der menschlichen Seele widerspiegeln.
Auch Béla Bartoks Volksliedbearbeitungen schöpfen aus dem Erbe der ungarischen Volkstradition. In seinen kurzen, aber ausdrucksstarken Chorwerken treffen die Einfachheit der Volksdichtung und modernes kompositorisches Denken aufeinander. Nach der Pause geht es weiter mit Werken von Franz Liszt, der nicht nur einer der größten Klaviervirtuosen der Romantik war, sondern auch ein bedeutendes kirchenmusikalisches CEuvre schuf, in dem der Einfluss deutscher,italienischer und vor allem französischer Musikkultur spürbar ist. Anschließend erklingt das „Agnus Dei” des jungen ungarischen Komponisten Tamás Beischer-Matyó. In seiner Musik spürt man das Erbe Liszts und den inspirierenden Einfluss der französischen Musiktradition, die er mit seinem eigenen Stil verbindet. Lászlo Lajtha verbrachte lange Zeit in Frankreich und verbindet in seiner Musik auf besondere Weise die Raffinesse des französischen Impressionismus mit den Wurzeln der ungarischen Volksmusik. Der gleiche Respekt vor der Tradition zeigt sich auch in den geistlichen Werken von Mikios Kocsár, der als eine der prägenden Persönlichkeiten der ungarischen Komposition des 20. und 21. Jahrhunderts zur Erneuerung der liturgischen Musik beigetragen hat.
Pal Eszterházy (1635-1713)
Aus: „Harmonia Caelestis” für Chor und Orgel (um 1700)
VIII. lesu, dulcedo (Herzliebster Jesus)
XVIII. Dormi, lesu dulcissime (Schlafe, o süßester Jesus)
IX. lesu parve (Jesukind, neugeboren)
István Koloss (1932-2010)
„Chorea hungaricae” (Ungarischer Tanz)
für Orgel solo (1981-85)
Zoltan Kodály (1882-1967)
„150. Genfi zsoltár” (Genfer Psalm 150) (1936)
„Hegyi éjszakak I” (Gebirgsnächte I) (1923)
„árva vagyok” (Verlassen bin ich) (1953)
ÉnekSzent Istvän királyhoz (Hymnus an den heiligen König Stephan) (1938)
Béla Bartók (1881-1945)
Aus dem Zyklus „27 Kórusmu két és härom szólamra”
(27 zweistimmige und dreistimmige Chöre für Kinder- und Frauenchor), Sz. 103
Leanynézó (Brautschau) (1935)
Banat (Trauer) (1935)
Ne hagyj itt! (Abschied) (1935)
Isten veled! (Lebewohl!) (1935)
PAUSE
Franz Liszt (1811 -1886)
„Sposalizio” (Die Vermählung)
für Chor und Orgel, S. 161, Nr. 1 (1858)
Geistliche Vermählungsmusik nach Raphaels Bild
„Die Vermählung Mariä”
Franz Liszt
„Hymne de l’enfant à son réveil”
(Des erwachenden Kindes Lobgesang)
für Chor und Orgel, S. 19 (1854)
Tamás Beischer-Matyó (*1972)
„Agnus Dei” für Chor und Orgel (1992)
Lászlo Lajtha (1892-1963)
Aus: „Trois hymnes pour la Sainte Vierge”
(Drei Hymnen für die heilige Jungfrau)
op. 65, Nr. 3 (1958)
„Canticum de magna Hungariae Regina”
(Lied der großen Königin von Ungarn)
für Chor und Orgel (1958)
Ernst von Dohnányi (1877-1960)
Aus: „Symphonische Minuten” op. 36 (1933)
IV. Tema con variazioni (Andante con moto)
Bearbeitung für Orgel: Zsolt Maté Mészaros
Miklos Kocsár (*1933)
„0 vos omnes” (O ihr alle) (1998)
„Libera me” (Errette mich) (1999)
„Salve Regina” (Sei gegrüßt, o Königin) (1995)
Läszlo Haimos (1909-1997)
„Jubilate Deo” (Jauchzet dem Herrn) (1945)
Zoltán Kodály
„Esti dal” (Abendlied) (1938)
Mit dem Angelica Leánykar eröffnet einer der renommiertesten Mädchenchöre Ungarns die 56. Merseburger Orgeltage. Unter der Leitung von Zsuzsanna Graf und begleitet von Orgelvirtuose Zsolt Máté Mészáros, erklingen Werke von Pál Esterházy, Franz Liszt, Béla Bartók, Zoltán Kodály sowie zeitgenössische ungarische Chormusik. Ein festlicher Auftakt, der die reiche Tradition und Ausdruckskraft der ungarischen Musik eindrucksvoll zum Klingen bringt.
Der Angelica Leánykar (Angelika Mädchenchor Budapest) ist einer der renommiertesten Mädchenchöre Ungarns. Er wurde 1989 in Budapest gegründet und ist eng mit der musikalischen Tradition der ungarischen Chorbewegung verbunden. International bekannt wurde der Chor durch seine stilistische Vielfalt, die von Alter Musik über klassische Chorliteratur bis hin zu zeitgenössischen Werken reicht. Besonders geschätzt wird der klare, ausgewogene Chorklang sowie die hohe musikalische Disziplin der jungen Sängerinnen. Der Angelica Leánykar tritt regelmäßig auf internationalen Festivals auf und hat zahlreiche Preise bei renommierten Chorwettbewerben gewonnen. Konzerte des Chores verbinden musikalische Präzision mit großer Ausdruckskraft und emotionaler Tiefe.

Zsolt Máté Mészáros gehört zu den führenden Organisten Ungarns und ist Musikdirektor der Innerstädtischen Hauptpfarrkirche Budapest – einer historisch bedeutenden Franz-Liszt-Gedenkstätte – sowie künstlerischer Direktor des Budapester Internationalen Orgelfestivals.
Für sein herausragendes künstlerisches und wissenschaftliches Wirken wurde er 2026 mit dem Silbernen Verdienstkreuz der Republik Ungarn ausgezeichnet. Er ist zudem Preisträger des renommierten Junior-Prima-Preises (2020) und des György-Cziffra-Talentpreises (2025), Gewinner mehrerer Wettbewerbe sowie Träger hochrangiger Kunst- und Forschungsstipendien. Er arbeitet regelmäßig mit den renommiertesten ungarischen Orchestern und Chören zusammen.
Seine intensive internationale Konzerttätigkeit führte ihn in die USA, nach Israel, Palästina, Russland sowie durch ganz Europa. Er gastiert bei bedeutenden Festivals und in Kathedralen und gibt Meisterkurse, u. a. an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.
Als profilierter Liszt-Forscher erarbeitet er derzeit die neue Urtext-Gesamtausgabe der Orgel- und Harmoniumwerke von Franz Liszt. Er hat rund 30 zeitgenössische Werke uraufgeführt.




