Der Tenor Tobias Hunger gehört zu den gefragten deutschen Konzert- und Oratoriensängern seiner Generation. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, insbesondere den Werken von Johann Sebastian Bach, Johann Kuhnau, Johann Hermann Schein und Jan Dismas Zelenka. Zugleich verfügt er über ein außergewöhnlich breit gefächertes Repertoire, das von der Renaissance und dem Barock über die Klassik bis zur Musik des 20. und 21. Jahrhunderts reicht.
Seine musikalische Ausbildung begann Tobias Hunger im traditionsreichen Dresdner Kreuzchor. Bereits dort trat er als Solist hervor und sammelte früh intensive Erfahrungen im geistlichen und konzertanten Repertoire. Anschließend studierte er Gesang bei Prof. Hermann Christian Polster an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Zusätzliche künstlerische Impulse erhielt er in Meisterkursen unter anderem bei Peter Schreier, Scot Weir, Gerd Türk, Eva Randová und den King’s Singers.
Heute ist Tobias Hunger international als Lied-, Konzert- und Oratoriensänger tätig. Konzertreisen führen ihn regelmäßig durch zahlreiche europäische Länder, darunter die Niederlande, Belgien, Frankreich, die Schweiz, Italien, Österreich, Tschechien, Polen, Norwegen und Finnland. Dabei ist er in bedeutenden Konzertsälen wie der Berliner und Kölner Philharmonie, dem Gewandhaus zu Leipzig, der Tonhalle Zürich und dem Concertgebouw Amsterdam zu erleben.
Im Laufe seiner Karriere arbeitete Hunger mit zahlreichen renommierten Dirigenten zusammen, darunter Philippe Herreweghe, Václav Luks, Hans-Christoph Rademann, Ton Koopman, Adam Viktora, Hermann Max, Wolfgang Katschner, Ludger Rémy, Ludwig Güttler, Georg Christoph Biller und Andreas Reize. Diese Zusammenarbeit führte ihn zu bedeutenden europäischen Ensembles und Orchestern und festigte insbesondere seinen Ruf als Spezialist für historisch informierte Aufführungspraxis.
Einen besonderen Schwerpunkt seines künstlerischen Wirkens bildet das Vokalwerk Johann Sebastian Bachs. Durch seine musikalische Prägung im Dresdner Kreuzchor und seine langjährige Tätigkeit als Konzertsolist ist Hunger mit Bachs Passionen, Kantaten, Oratorien und Messen in besonderer Weise vertraut. Daneben setzt er sich intensiv für weniger häufig aufgeführte Werke der mitteldeutschen und böhmischen Barockmusik ein. Komponisten wie Johann Kuhnau, Johann Hermann Schein und Jan Dismas Zelenka nehmen daher einen wichtigen Platz in seinem Repertoire ein.
Dabei beschränkt sich Tobias Hunger keineswegs auf die Alte Musik. Sein Repertoire reicht bis zu Werken der 1920er- und 1930er-Jahre sowie der musikalischen Moderne. Diese stilistische Offenheit ermöglicht ihm Programme, in denen historische und moderne Klangwelten gleichermaßen überzeugend zur Geltung kommen. Zahlreiche CD- und Rundfunkproduktionen dokumentieren diese Vielseitigkeit.
Auch auf der Opernbühne ist Tobias Hunger regelmäßig zu erleben. Zu seinem Rollenrepertoire zählen unter anderem Paolino in Domenico Cimarosas Il matrimonio segreto, Caramello in Johann Strauss’ Eine Nacht in Venedig, Don Ottavio in Mozarts Don Giovanni, Ferrando in Così fan tutte, Acis in Händels Acis and Galatea sowie Basilio und Don Curzio in Mozarts Le nozze di Figaro. Damit umfasst sein Bühnenschaffen sowohl das barocke und klassische Repertoire als auch Operette und Musiktheater.
Auch der zeitgenössischen Musik widmet er sich mit großer Offenheit. Bei der Münchener Biennale war er beispielsweise in Sarah Nemtsovs Musiktheaterwerk L’Absence in der Partie des Rabbi zu erleben. Solche Projekte zeigen die stilistische Spannweite seines künstlerischen Profils, die weit über die traditionelle Oratorien- und Konzertliteratur hinausreicht.
Besonders prägend ist zugleich seine enge Verbindung zur mitteldeutschen Kirchenmusiktradition. Durch seine Ausbildung in Dresden und Leipzig sowie die kontinuierliche Zusammenarbeit mit wichtigen Chören, Ensembles und Dirigenten der Region ist Tobias Hunger seit vielen Jahren regelmäßig bei bedeutenden Kirchenmusikfestivals und Konzertreihen präsent. Auch beim Bachfest Leipzig gehört er regelmäßig zu den gefragten Solisten.
Bei den 56. Merseburger Orgeltagen 2026 ist Tobias Hunger im Festgottesdienst am 13. September im Merseburger Dom zu erleben. In Gregor Joseph Werners Missa „Sunt bona mixta malis“ übernimmt er die Tenorpartie. Gemeinsam mit Elisabeth Mücksch, David Erler und Emanuel Jessel sowie dem Ensemble Solamente Naturali musiziert er unter der Leitung von Michael Schönheit.
Mit seiner Verbindung von stilsicherer Interpretation, großer Textverständlichkeit und außergewöhnlicher Repertoirebreite ist Tobias Hunger ein gefragter Partner für historisch informierte Aufführungen ebenso wie für klassische und zeitgenössische Konzertprogramme. Seine besondere Nähe zur mitteldeutschen Kirchenmusik und sein intensiver Umgang mit dem Werk Johann Sebastian Bachs prägen sein künstlerisches Profil bis heute.
