Der ungarische Dirigent und Chorleiter Soma Szabó gehört zu den profilierten Persönlichkeiten der heutigen ungarischen Chorszene. Als künstlerischer Leiter des Nyíregyházi Cantemus Kórus prägt er mehrere Ensembles der traditionsreichen Cantemus-Chorfamilie und setzt sich zugleich international für die Vermittlung der ungarischen Chortradition und insbesondere des musikalisch-pädagogischen Erbes Zoltán Kodálys ein.
Soma Szabó wurde 1974 in Nyíregyháza geboren. Seine eigene musikalische Ausbildung begann bereits in der Kindheit an der dortigen Zoltán-Kodály-Grundschule, deren intensive Chorarbeit und musikalisches Ausbildungssystem ihn nachhaltig prägten. Er sang im Kinder- und Knabenchor der Schule und wuchs damit unmittelbar in jener von Kodály geprägten ungarischen Chorkultur auf, die später zu einem zentralen Bestandteil seines eigenen künstlerischen Wirkens werden sollte. Anschließend studierte er Violine in Debrecen und erhielt zudem Gesangsunterricht in Debrecen und Budapest.
Seine professionelle Ausbildung zum Chorleiter absolvierte Szabó an der renommierten Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest. Dort schloss er 1998 sein Studium im Fach Chorleitung ab. Seitdem verbindet er praktische Chorarbeit, Konzerttätigkeit und Musikpädagogik auf besondere Weise.
Heute ist Soma Szabó künstlerischer Leiter des Cantemus Choral Institute in Nyíregyháza, einer der bedeutenden Einrichtungen der ungarischen Chorkultur. Innerhalb dieser Institution verantwortet er unter anderem den Cantemus Mixed Choir, den Cantemus Youth Mixed Choir und den Cantemus Boys’ Choir. Die Cantemus-Chorfamilie umfasst insgesamt fünf Chöre mit mehr als 400 Sängerinnen und Sängern und blickt inzwischen auf eine 50-jährige Geschichte sowie mehr als 220 internationale Konzertreisen in 36 Länder zurück.
Die Cantemus-Tradition ist eng mit Soma Szabós eigener Biografie verbunden. Sein Vater, der international renommierte Chorleiter Dénes Szabó, begann in Nyíregyháza vor rund fünf Jahrzehnten mit dem Aufbau der heute weit über Ungarn hinaus bekannten Chorfamilie. Soma Szabó führt diese Tradition in einer neuen Generation fort und entwickelt sie mit eigenen künstlerischen Akzenten weiter. Gemeinsam stehen beide für eine Chorkultur, in der musikalische Spitzenleistung und systematische musikalische Ausbildung eng miteinander verbunden sind.
Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld ist das von Soma Szabó mitbegründete Banchieri Énekegyüttes – Banchieri Singers. Als Gründungsmitglied, Bariton und künstlerischer Leiter prägte er das Vokalensemble, das sich vor allem der A-cappella-Musik der Renaissance und späterer Epochen widmet. Die Banchieri Singers errangen zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben und stehen beispielhaft für Szabós intensive Beschäftigung mit kammermusikalischem Ensemblesingen.
Mit seinen Chören erzielte Soma Szabó in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Erfolge bei bedeutenden internationalen Chorwettbewerben. Erste Preise und Grand Prix errangen seine Ensembles unter anderem in Tolosa, Gorizia, Cantonigròs, Budapest und Debrecen. 2016 wurde er zudem bei einem internationalen Wettbewerb mit einem Preis als bester Dirigent ausgezeichnet.
Für seine künstlerischen und musikpädagogischen Leistungen erhielt Soma Szabó zahlreiche bedeutende ungarische Auszeichnungen. 2017 wurde ihm der Franz-Liszt-Preis verliehen, eine der wichtigsten staatlichen Auszeichnungen Ungarns für herausragende Musikerinnen und Musiker. 2022 folgte der Artisjus-Preis für Musikpädagogik. Darüber hinaus wurde seine Arbeit unter anderem mit dem Prima-Preis und dem Béla-Katona-Preis gewürdigt.
Neben seiner Tätigkeit als Chorleiter arbeitet Soma Szabó auch regelmäßig mit Orchestern zusammen. Er ist Chefdirigent des Szabolcs Symphony Orchestra und dirigiert vokalsinfonische Werke ebenso wie rein orchestrale Programme. Die Zusammenarbeit von Chor und Orchester bildet dabei einen wichtigen Teil seines Repertoires – von Johann Sebastian Bach und der europäischen Kirchenmusik bis zu den großen ungarischen Kompositionen des 19. und 20. Jahrhunderts.
Besondere Bedeutung besitzt in seiner Arbeit die Musik Zoltán Kodálys. Für Szabó ist sie nicht allein Konzertrepertoire, sondern Teil einer bis heute lebendigen musikalischen und pädagogischen Tradition. Die Verbindung von Chorgesang, musikalischer Bildung und gemeinschaftlichem Musizieren, wie sie Kodály propagierte, gehört zu den Grundlagen der Cantemus-Arbeit in Nyíregyháza. Entsprechend nehmen Kodálys Chorwerke und seine großen vokalsinfonischen Kompositionen einen wichtigen Platz im Repertoire ein.
Auch international ist Soma Szabó als Pädagoge und Vermittler der Kodály-Tradition gefragt. Regelmäßig gibt er Meisterkurse für Chorleitung und Kammergesang sowie Kodály-Workshops in verschiedenen europäischen Ländern. Weitere Einladungen führten ihn unter anderem in die USA, nach Japan, Hongkong und Taiwan. Darüber hinaus gehört er regelmäßig den Jurys internationaler Chorwettbewerbe an.
Parallel zu seiner Konzerttätigkeit engagiert er sich in der musikalischen Ausbildung. Er unterrichtet Musikgeschichte in Nyíregyháza und ist an der Universität Nyíregyháza tätig. Die Verbindung von professioneller Konzertpraxis und pädagogischer Arbeit bildet damit auch institutionell einen wesentlichen Bestandteil seines künstlerischen Selbstverständnisses.
Soma Szabó setzt sich zudem intensiv für zeitgenössische ungarische Chormusik ein. Mit dem Cantemus Mixed Choir bringt er regelmäßig neue Kompositionen zur Aufführung. So dirigierte er beispielsweise 2024 die Uraufführung von Bence Kutriks Canticum, das dem Nyíregyházi Cantemus Mixed Choir gewidmet ist. Damit verbindet seine Arbeit die große ungarische Chortradition von Bartók und Kodály mit dem aktuellen kompositorischen Schaffen des Landes.
Bei den 56. Merseburger Orgeltagen 2026 kommt Soma Szabó eine zentrale Rolle innerhalb des Festivalschwerpunkts „Musikland Ungarn“ zu. Am 18. September dirigiert er im Merseburger Dom Zoltán Kodálys „Psalmus hungaricus“ mit dem Nyíregyházi Cantemus Kórus, der Staatskapelle Halle und dem Tenor Daniel Johannsen. Einen Tag später leitet er in der Ungarischen Musiknacht das Programm „Laudes Organi – Lob der Orgel“, in dem ungarische Chor- und Orgelmusik und insbesondere Werke Kodálys im Mittelpunkt stehen.
Soma Szabós künstlerisches Wirken steht damit in besonderer Weise für die Kontinuität und Gegenwart der ungarischen Chorkultur. Seine Arbeit verbindet die von Kodály geprägte musikalische Bildungstradition mit professioneller Chorarbeit, internationalem Konzertleben und der Förderung zeitgenössischer Musik. Als Dirigent, Pädagoge und künstlerischer Leiter führt er eine der bedeutenden ungarischen Chortraditionen seiner Heimatstadt Nyíregyháza in die Gegenwart und trägt sie zugleich weit über die Grenzen Ungarns hinaus.
