SOLAMENTE NATURALI

Das Ensemble Solamente Naturali aus Bratislava zählt zu den profilierten Ensembles für Alte Musik in der Slowakei. Es wurde 1995 von dem Geiger Miloš Valent gegründet, der das Ensemble bis heute als künstlerischer Leiter und Konzertmeister prägt. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, die auf historischen Instrumenten und auf der Grundlage historischer Quellen neu erschlossen wird.

Solamente Naturali versteht historische Aufführungspraxis dabei nicht als bloße Rekonstruktion vergangener Klangwelten. Entscheidend sind für das Ensemble vielmehr Spontaneität, Natürlichkeit und musikalische Intuition. Schon der Name „Solamente Naturali“ verweist auf dieses künstlerische Selbstverständnis. Historische Quellen bilden den Ausgangspunkt, sollen jedoch nicht museal präsentiert, sondern für das heutige Publikum als lebendige Musik erfahrbar gemacht werden.

Entsprechend flexibel ist die Besetzung des Ensembles. Solamente Naturali kann als kleines kammermusikalisches Ensemble mit drei oder sieben Musikern ebenso auftreten wie als großes Barockorchester. Für Kantaten und Oratorien arbeitet es zudem mit seinem eigenen Vokalensemble SoLa zusammen. Diese variable Besetzung ermöglicht Programme, die von intimer Kammermusik bis zu groß angelegten vokal-instrumentalen Werken reichen.

Ein besonderes Markenzeichen von Solamente Naturali ist die intensive Beschäftigung mit dem musikalischen Erbe Mitteleuropas. Neben den großen Werken des Barock widmet sich das Ensemble seit Jahrzehnten bislang wenig bekannten Handschriften und Musiksammlungen aus slowakischen Archiven. Dabei werden Werke und musikalische Traditionen wiederentdeckt, die über lange Zeit nahezu vergessen waren. Das Ensemble versteht diese Quellen als Teil einer gemeinsamen mitteleuropäischen Kulturgeschichte, in der sich höfische Musik, Kirchenmusik, städtische Musikkultur und volkstümliche Überlieferungen gegenseitig beeinflussten.

Zu den von Solamente Naturali erschlossenen Quellen gehören unter anderem die Uhrovec-Sammlung von 1730, der Pestrý zborník („Bunte Sammlung“), die Sammlung von Anna Szirmay-Keczer, die Sammlung von Lubeník sowie zahlreiche weitere Handschriften des 17. bis 19. Jahrhunderts. In diesen Quellen begegnen sich Tänze, Lieder, höfische Stücke und Volksmusik verschiedener Regionen und ethnischer Traditionen. Gerade diese Übergänge zwischen schriftlich überlieferter Kunstmusik und mündlicher Musizierpraxis bilden einen wichtigen Schwerpunkt der Arbeit von Miloš Valent und seinem Ensemble.

Aus dieser Beschäftigung entwickelte sich auch das langfristige Projekt „Urbs Musicum Archivum“. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die musikalische Vergangenheit slowakischer Städte anhand der in lokalen Archiven erhaltenen Quellen systematisch wiederzuentdecken. Die Musik wird aufgenommen und zugleich möglichst an jenen historischen Orten zur Aufführung gebracht, an denen sie vor Jahrhunderten bereits erklungen sein könnte. Auf diese Weise verbindet Solamente Naturali Quellenforschung, historische Aufführungspraxis und das kulturelle Gedächtnis einer ganzen Region.

Ein weiteres Charakteristikum des Ensembles ist seine Offenheit gegenüber musikalischen Traditionen außerhalb der klassischen europäischen Kunstmusik. Historische Volksinstrumente und Volksmusik, jüdische und Roma-Musik sowie Einflüsse aus unterschiedlichen Kulturräumen fließen immer wieder in seine Projekte ein. So entstehen Programme, in denen die Grenzen zwischen Alter Musik, traditioneller Musik und improvisatorischen Elementen bewusst durchlässig werden.

Diese Offenheit führt zugleich in die Gegenwart. Komponisten wie Vladimír Godár, Michal Paľko und Peter Zagar schrieben neue Werke für Solamente Naturali. Das Ensemble ist damit nicht ausschließlich der historischen Musik verpflichtet, sondern sucht immer wieder den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zeitgenössische Werke wurden unter anderem bei Festivals für Neue Musik aufgeführt.

Die umfangreiche Diskografie von Solamente Naturali dokumentiert diese außergewöhnliche stilistische Bandbreite. Rund 30 CD-Produktionen sind bei Labels wie ECM, Glossa, ORF, Pavian Records und Brilliant Classics erschienen. Neben bekannten Werken des Barock nehmen Wiederentdeckungen aus slowakischen und mitteleuropäischen Archiven einen bedeutenden Platz ein. Zu den vielbeachteten Veröffentlichungen gehört etwa Mater des slowakischen Komponisten Vladimír Godár mit der Sängerin und Geigerin Iva Bittová, die bei ECM erschien.

Für seine Aufnahmen und seine künstlerische Arbeit wurde das Ensemble mehrfach ausgezeichnet. Produktionen mit Musik aus slowakischen Archiven erhielten unter anderem den Radio_Head Award, den Kunstpreis der Tatra banka sowie weitere nationale Auszeichnungen. Auch Miloš Valent selbst wurde für seine künstlerische Arbeit geehrt.

Solamente Naturali gastiert regelmäßig bei internationalen Festivals und Konzertreihen. Konzertreisen führten das Ensemble durch zahlreiche europäische Länder sowie nach China und in die USA. Dabei präsentiert es sowohl zentrale Werke des barocken Repertoires als auch Programme, die auf eigenen musikwissenschaftlichen Recherchen und der Wiederentdeckung unbekannter Quellen beruhen.

Ein wichtiges Anliegen ist darüber hinaus die Vermittlung Alter Musik an die nächste Generation. Mit der Academia Solamente Naturali hat das Ensemble eine Plattform geschaffen, auf der junge Musikerinnen und Musiker unmittelbar an seiner Arbeit teilnehmen können. In Workshops, Proben und Aufnahmeprojekten erhalten sie Einblicke in historische Aufführungspraxis und können gemeinsam mit erfahrenen Mitgliedern des Ensembles musikalische Quellen erarbeiten.

Bei den 56. Merseburger Orgeltagen 2026 ist Solamente Naturali am 13. September gleich mehrfach zu erleben. Im Festgottesdienst im Merseburger Dom musiziert das Ensemble Gregor Joseph Werners Missa „Sunt bona mixta malis“ gemeinsam mit Elisabeth Mücksch, David Erler, Tobias Hunger und Emanuel Jessel sowie Denny Wilke an der Continuoorgel. Die musikalische Leitung liegt bei Michael Schönheit. Am Nachmittag präsentiert sich das Ensemble zudem mit einem Kammermusikprogramm in der Kirche St. Philippus und Jacobus in Burgliebenau.

Gerade die Musik Gregor Joseph Werners fügt sich ideal in das künstlerische Profil von Solamente Naturali ein. Werner wirkte als Kapellmeister am Hof der Esterházy und steht damit exemplarisch für jene vielgestaltige mitteleuropäische Musikkultur, deren Wiederentdeckung und lebendige Vermittlung seit Jahrzehnten zu den zentralen Anliegen des Ensembles gehören. In Solamente Naturali treffen historische Quellenkenntnis, stilistische Erfahrung und die Freude an einem unmittelbaren, natürlichen Musizieren aufeinander.