MATTHIAS KREHER

Der Klarinettist Matthias Kreher wurde 1964 in Leipzig geboren. Von 1981 bis 1986 studierte er an der Hochschule für Musik Leipzig Klarinette bei Rudolf Bartl und Wolfgang Mäder sowie Komposition. Unmittelbar nach Abschluss seines Studiums wurde er 1986 in das Gewandhausorchester Leipzig aufgenommen. Dort ist er seitdem als Solo-Es-Klarinettist tätig und gehört damit seit vier Jahrzehnten zu den prägenden Musikern des traditionsreichen Orchesters.

Neben seiner Arbeit im Gewandhausorchester nimmt die Kammermusik einen zentralen Platz in seinem künstlerischen Schaffen ein. Kreher musiziert in unterschiedlichsten kammermusikalischen Formationen und setzt sich dabei sowohl mit dem klassischen Repertoire als auch intensiv mit der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts auseinander. Seine besondere Vielseitigkeit als Klarinettist zeigt sich in einem Repertoire, das von der klassischen und romantischen Literatur bis zur Avantgarde und zu zeitgenössischen Kompositionen reicht.

Eine besonders enge künstlerische Verbindung besteht seit vielen Jahren zum Pianisten und Komponisten Steffen Schleiermacher. Matthias Kreher gehört zu den Gründungsmitgliedern des Ensemble Avantgarde Leipzig, das Ende der 1980er-Jahre entstand und sich der Musik der klassischen Moderne sowie der Gegenwart widmet. Seit seiner Gründung prägt das Ensemble auch die Konzertreihe musica nova am Leipziger Gewandhaus. Werke von Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern, John Cage, Morton Feldman, Igor Strawinsky, Luciano Berio, Giacinto Scelsi und zahlreichen weiteren Komponisten gehören zum Repertoire des Ensembles.

Gemeinsam mit dem Ensemble Avantgarde war Kreher an zahlreichen Konzert-, Rundfunk- und CD-Produktionen beteiligt. Die Beschäftigung mit selten gespielten Werken und mit den unterschiedlichen musikalischen Strömungen des 20. Jahrhunderts bildet dabei einen wesentlichen Schwerpunkt. Unter anderem entstanden Einspielungen mit Kammermusik der Zweiten Wiener Schule sowie Werken von Morton Feldman, John Cage, Steve Reich, Luciano Berio und Igor Strawinsky. Kreher ist dabei regelmäßig sowohl im Ensemble als auch solistisch zu erleben.

Darüber hinaus gehört Matthias Kreher dem Pasakas Bläserquintett Leipzig an. Gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern des Gewandhausorchesters widmet sich das Ensemble dem klassischen und modernen Repertoire für Holzbläser und bringt zugleich weniger bekannte sowie zeitgenössische Werke zur Aufführung. Im Gewandhaus ist Kreher mit diesem Ensemble regelmäßig in Kammer- und Familienkonzerten zu erleben.

Neben seiner Konzerttätigkeit engagiert sich Matthias Kreher seit vielen Jahren für die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses. Seit 1997 unterrichtet er an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Dort hat er heute einen Lehrauftrag für Es-Klarinette in der Fachrichtung Blasinstrumente/Schlagzeug. Seine jahrzehntelange Orchestererfahrung und seine besondere Vertrautheit mit dem solistischen und kammermusikalischen Repertoire gibt er damit an junge Klarinettistinnen und Klarinettisten weiter.

Kreher ist darüber hinaus auch als Komponist und Arrangeur tätig. Seine musikalische Arbeit verbindet so die Perspektiven des Orchestermusikers, Kammermusikers und schöpferischen Künstlers. Auch in Konzertformaten für ein junges Publikum tritt er mit eigenen Kompositionen in Erscheinung; im Gewandhaus stand beispielsweise sein Froschkönig auf dem Programm der Reihe „Zwergenkonzerte“.

Die Beschäftigung mit zeitgenössischer Musik hat Matthias Kreher über Jahrzehnte hinweg besonders geprägt. Dabei verbindet er die spezifischen klanglichen Möglichkeiten der Klarinette mit großer stilistischer Offenheit. Die langjährige Zusammenarbeit mit Steffen Schleiermacher und anderen Mitgliedern des Ensemble Avantgarde steht exemplarisch für eine Leipziger Tradition, in der sich die Pflege des klassischen Repertoires und die intensive Auseinandersetzung mit neuer Musik selbstverständlich ergänzen.

Bei den 56. Merseburger Orgeltagen 2026 ist Matthias Kreher im Abendkonzert „Über Volksmusik – Béla Bartók und Zoltán Kodály“ zu erleben. Gemeinsam mit der Sopranistin Julia Sophie Wagner, dem Violinisten Andreas Seidel und dem Pianisten Steffen Schleiermacher widmet er sich der faszinierenden Verbindung von Volksmusik, Kunstmusik und musikalischer Moderne, die das Schaffen Bartóks und Kodálys entscheidend geprägt hat.