ISTVÁN ELLA

Der ungarische Organist und Dirigent István Ella wurde 1947 in Veresegyház bei Budapest geboren. Er zählt seit Jahrzehnten zu den profilierten Vertretern der ungarischen Orgelschule und hat sich sowohl als Solist als auch als Dirigent, Chorleiter und Pädagoge international einen Namen gemacht.

Seine musikalische Ausbildung erhielt Ella an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest. Dort studierte er Orgel bei Ferenc Gergely und Chorleitung bei Zoltán Vásárhelyi und schloss sein Studium 1971 ab. Anschließend setzte er seine Ausbildung in Deutschland fort: In Weimar studierte er Orgel und Improvisation bei Johannes Ernst Köhler, in Leipzig Dirigieren bei Olaf Koch. 1974 erwarb er sein Dirigentendiplom in Wittenberg; im Rahmen der Prüfung dirigierte er das Philharmonische Orchester Halle. Damit verbindet ihn bereits seit seiner Studienzeit eine enge musikalische Beziehung zu Mitteldeutschland.

Schon früh machte István Ella bei bedeutenden internationalen Wettbewerben auf sich aufmerksam. 1971 wurde er beim Internationalen Orgelwettbewerb in Prag ausgezeichnet. Ein Jahr später errang er beim Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig den zweiten Preis. 1974 gewann er den ersten Preis beim Internationalen Anton-Bruckner-Orgelwettbewerb in Linz, 1976 folgte ein weiterer erster Preis beim Internationalen Bach-Wettbewerb in Brügge. Diese Erfolge begründeten seine internationale Laufbahn als Konzertorganist.

Von 1975 bis 1990 war Ella Solist der ungarischen Nationalen Philharmonischen Konzertorganisation. Konzertreisen führten ihn seither durch nahezu ganz Europa sowie nach Kanada, in die USA, nach Israel, in den Libanon und nach Indien. Als Organist gastierte er an bedeutenden Instrumenten und in renommierten Konzertreihen und Festivals. Sein Repertoire umfasst dabei ein breites Spektrum von der Musik des Barock über die Romantik bis zur Moderne, wobei insbesondere das Werk Johann Sebastian Bachs einen zentralen Platz in seinem künstlerischen Schaffen einnimmt.

Neben seiner solistischen Tätigkeit widmete sich István Ella intensiv der historischen Aufführungspraxis. Von 1976 bis 1986 war er künstlerischer Leiter und Solist des Corelli-Kammerorchesters, das sich auf die Interpretation barocker und klassischer Musik auf historischen Instrumenten konzentrierte. Damit gehörte Ella in Ungarn zu jener Musikergeneration, die sich früh und intensiv mit Fragen einer historisch informierten Aufführungspraxis auseinandersetzte.

Auch als Dirigent war und ist István Ella vielfältig tätig. Von 1979 bis 1984 wirkte er als Chefdirigent des Sinfonieorchesters von Székesfehérvár. 1989 gründete er den Budapester Bach-Chor, dessen künstlerische Leitung er übernahm. Das Ensemble besteht aus professionell ausgebildeten Sängerinnen und Sängern und widmet sich schwerpunktmäßig der Musik Johann Sebastian Bachs und der barocken Chorliteratur. Von 2007 bis 2009 war Ella außerdem als Dirigent beim Kodály-Chor Debrecen tätig.

Ein weiterer wichtiger Bereich seines Wirkens ist die pädagogische Arbeit. Seit den 1980er-Jahren wird István Ella regelmäßig als Juror zu bedeutenden internationalen Orgelwettbewerben eingeladen, unter anderem nach Leipzig, Genf, Prag, Linz, Lüneburg und Berlin. Darüber hinaus leitete er Meisterkurse und arbeitete als Gastdozent in Großbritannien, Deutschland, Polen und Ungarn. Auf diese Weise gab und gibt er seine Erfahrungen als Interpret, Improvisator und Dirigent an nachfolgende Generationen von Organistinnen und Organisten weiter.

Für seine künstlerische Arbeit wurde István Ella auch in Ungarn vielfach gewürdigt. 1999 erhielt er den Franz-Liszt-Preis, eine der bedeutenden staatlichen Auszeichnungen für ungarische Musikerinnen und Musiker. 2007 wurde er mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn ausgezeichnet.

Charakteristisch für Ellas künstlerisches Profil ist die Verbindung mehrerer musikalischer Bereiche: Er ist Organist, Improvisator, Dirigent und Chorleiter und verfügt zugleich über jahrzehntelange Erfahrung in der historisch informierten Aufführungspraxis. Gerade die Verbindung zwischen solistischem Orgelspiel, vokaler Musik und Ensemblearbeit hat seine künstlerische Laufbahn nachhaltig geprägt.

Bei den 56. Merseburger Orgeltagen 2026 ist István Ella gleich mehrfach zu erleben. Zur Eröffnung des Festivals begleitet er den Angelica Leánykar unter der Leitung von Zsuzsanna Gráf an der Orgel und gestaltet darüber hinaus ein Mittagskonzert an der großen Ladegastorgel des Merseburger Domes. Damit kehrt ein Künstler nach Mitteldeutschland zurück, dessen Ausbildung und frühe Wettbewerbserfolge eng mit Weimar und Leipzig verbunden sind und dessen jahrzehntelange Laufbahn exemplarisch für die große ungarische Orgeltradition steht.