Der Bassbariton Emanuel Jessel wurde 1986 in Leipzig geboren und erhielt seine grundlegende musikalische Ausbildung im traditionsreichen Thomanerchor Leipzig. Von 1996 bis 2005 gehörte er dem Chor an und wurde dort früh mit der Musik Johann Sebastian Bachs sowie der mitteldeutschen Kirchenmusiktradition vertraut. Bereits während seiner Zeit als Thomaner sammelte er umfangreiche Erfahrungen im Ensemble- und Chorgesang und übernahm als Präfekt auch musikalische Verantwortung.
Nach dem Abitur studierte Emanuel Jessel klassischen Gesang bei Professor Friedemann Röhlig, zunächst an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und anschließend am Institut für Musiktheater der Hochschule für Musik Karlsruhe. In dieser Phase lag ein besonderer Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf der Kirchenmusik: Er trat sowohl solistisch als auch in verschiedenen professionellen Vokalensembles auf.
Zu seinen wichtigen musikalischen Stationen gehörte das Leipziger Vokalensemble Thios Omilos, das von ehemaligen Mitgliedern des Thomanerchores gegründet worden war. Das Ensemble widmete sich geistlicher und weltlicher Vokalmusik von der Renaissance bis zur Moderne und gastierte unter anderem beim Bachfest Leipzig, beim MDR-Musiksommer sowie auf internationalen Konzertreisen. Jessel gehörte zu den frühen Mitgliedern des Ensembles und wirkte dort als Bass. Darüber hinaus arbeitete er mit der Gaechinger Cantorey der Internationalen Bachakademie Stuttgart zusammen und war damit regelmäßig in einem der profiliertesten deutschen Ensembles für historisch informierte Aufführungspraxis zu erleben.
Neben seiner Tätigkeit als klassischer Sänger entwickelte Emanuel Jessel früh ein ausgeprägtes Interesse an Schauspiel und Musiktheater. Von 2011 bis 2015 absolvierte er deshalb ein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Diese doppelte Ausbildung als Sänger und Schauspieler prägt sein künstlerisches Profil bis heute und ermöglicht ihm ein außergewöhnlich breites Repertoire zwischen Konzert, Oper, Schauspiel, Operette und Musical.
Nach seinem Studium war Jessel zweieinhalb Jahre fest am Landestheater Wilhelmshaven engagiert. Dort übernahm er zahlreiche Schauspiel- und Musiktheaterrollen, darunter Puck in Shakespeares Ein Sommernachtstraum, Camille Desmoulins in Büchners Dantons Tod, Fridolin in Schnitzlers Traumnovelle, Sir Lancelot in Monty Python’s Spamalot sowie Dr. Otto Siedler in Im weißen Rössl.
Weitere Engagements führten ihn zu Stage Entertainment: In Stuttgart war er in Der Glöckner von Notre Dame zu erleben, anschließend in München in der Musicalproduktion Die fabelhafte Welt der Amélie. Mit der großen Revue Berlin Berlin ging er 2019/20 auf Deutschlandtournee und verkörperte dort unter anderem einen Comedian Harmonist.
Seit 2020 lebt Emanuel Jessel wieder in Leipzig und verbindet seine unterschiedlichen künstlerischen Tätigkeitsfelder miteinander. Als Schauspieler und Sänger gastierte er seither an zahlreichen Bühnen, darunter in Berlin, Nürnberg, Cottbus, Erfurt, Nordhausen, Schwäbisch Hall und Wunsiedel. Am Staatstheater Cottbus übernahm er 2023 die Rolle des Albert in Paul Abrahams Operette Märchen im Grand-Hotel; 2024 war er mit dieser Partie auch am Staatstheater Nürnberg zu erleben. In der Musikalischen Komödie Leipzig debütierte er 2025 in Mel Brooks’ Musical The Producers.
Sein Repertoire reicht dabei weit über das klassische Gesangsfach hinaus. Neben Oper, Operette, Lied und Alter Musik ist Jessel auch im Musical, Chanson sowie in verschiedenen Bereichen der populären Musik zu Hause. Seine Stimmlage wird als Bariton beziehungsweise Bassbariton geführt. Zudem spielt er mehrere Instrumente, darunter Klavier, Orgel und Klarinette.
Trotz seiner vielfältigen Arbeit auf der Schauspiel- und Musicalbühne blieb die Kirchen- und Oratorienmusik ein wichtiger Bestandteil seiner künstlerischen Tätigkeit. Besonders die musikalische Prägung durch den Thomanerchor und die intensive Beschäftigung mit Johann Sebastian Bach begleiten ihn bis heute. Als Basssolist ist er regelmäßig in geistlichen Konzerten und Oratorien zu erleben und arbeitet dabei mit verschiedenen Ensembles der historisch informierten Aufführungspraxis zusammen.
Bei den 56. Merseburger Orgeltagen 2026 übernimmt Emanuel Jessel im Festgottesdienst am 13. September die Basspartie in Gregor Joseph Werners Missa „Sunt bona mixta malis“. Unter der Leitung von Michael Schönheit musiziert er gemeinsam mit Elisabeth Mücksch, David Erler und Tobias Hunger sowie dem Ensemble Solamente Naturali.
Die Verbindung von fundierter klassischer Gesangsausbildung, jahrzehntelanger Erfahrung in der Kirchenmusik und professioneller Schauspielausbildung macht Emanuel Jessel zu einem außergewöhnlich vielseitigen Künstler. Ob als Bassbariton im Konzert, als Ensemblemitglied in der Alten Musik oder als Schauspieler und Sänger auf der Musiktheaterbühne – im Zentrum seiner Arbeit stehen die Verbindung von Musik, Sprache und darstellerischem Ausdruck.
