COLLEGIUM VOCALE LEIPZIG

Das Collegium Vocale Leipzig wurde 1993 gegründet und hat sich seitdem als profiliertes Vokalensemble einen festen Platz im mitteldeutschen Musikleben erarbeitet. Den Ausgangspunkt bildeten Aufführungen von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium im Dezember 1993 in den Historischen Kuranlagen Bad Lauchstädt. Auf Anregung des Gewandhausorganisten Michael Schönheit kamen dafür junge Gesangsabsolventen und Studierende mit den Leipziger Vocalsolisten und den Leipziger Bachsolisten zusammen. Die Begeisterung der Sängerinnen und Sänger und der Erfolg der Konzerte führten schließlich zur Gründung des Collegium Vocale Leipzig.

Von Beginn an widmete sich das Ensemble insbesondere der Aufführung und Pflege mitteldeutscher Barockmusik. Im Zentrum stehen die Werke von Heinrich Schütz und seinen Zeitgenossen sowie Johann Sebastian Bach. Dabei musiziert das Collegium Vocale bevorzugt in einer möglichst kleinen, kammermusikalischen Besetzung. Die Transparenz des Chorklangs, die unmittelbare Verbindung zwischen den einzelnen Stimmen und eine an historischen Aufführungspraktiken orientierte Interpretation prägen das musikalische Profil des Ensembles.

Eine besonders enge künstlerische Partnerschaft verbindet das Collegium Vocale Leipzig seit vielen Jahren mit der Merseburger Hofmusik und Michael Schönheit. Gemeinsam entstanden zahlreiche Aufführungen von Kantaten, Passionen, Messen und Oratorien. Dabei reicht das Repertoire weit über den engeren Bereich des Barock hinaus und umfasst auch große Werke der Klassik, Romantik und Moderne. In dieser Verbindung treffen ein flexibler, kammermusikalischer Vokalklang und das Musizieren auf historischen Instrumenten beziehungsweise Instrumenten historischer Mensur aufeinander.

Zu den wichtigen Projekten des Ensembles gehörte der zwischen 2004 und 2007 im Leipziger Gewandhaus realisierte Buxtehude-Zyklus, in dessen Rahmen das Werk Dieterich Buxtehudes in umfassender Weise präsentiert wurde. Weitere Schwerpunkte bildeten Aufführungen von Joseph Haydns Die Schöpfung sowie Ludwig van Beethovens Missa solemnis auf historischem Instrumentarium. Das Collegium Vocale war außerdem bei den Magdeburger Telemann-Festtagen, den Tagen Mitteldeutscher Barockmusik und regelmäßig bei den Merseburger Orgeltagen zu erleben.

Einen besonderen Stellenwert nimmt das Werk Johann Sebastian Bachs ein. So führte das Ensemble 2010 im Rahmen der Merseburger Orgeltage die Matthäus-Passion in einer an historischen Besetzungsvorgaben orientierten Fassung auf. 2017 entstand gemeinsam mit der Merseburger Hofmusik unter Michael Schönheit eine Einspielung von Bachs Hoher Messe h-Moll BWV 232, die 2018 veröffentlicht wurde. Auch in den folgenden Jahren blieb dieses Schlüsselwerk ein wichtiger Bestandteil der gemeinsamen künstlerischen Arbeit. 2025 war das Collegium Vocale an einer Serie von Aufführungen der h-Moll-Messe unter anderem im Leipziger Gewandhaus, bei den Thüringer Bachwochen und im Merseburger Dom beteiligt.

Neben der historischen Musik gehört auch die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Werken zum Profil des Ensembles. Einen besonderen Höhepunkt bildete 2016 die Mitwirkung an Steffen Schleiermachers „Nach Markus. Passion“ nach einem Text von Christian Lehnert. Das Werk verbindet die erhaltenen Teile von Johann Sebastian Bachs verschollener Markus-Passion BWV 247 mit einer zeitgenössischen musikalischen Auseinandersetzung. Das Collegium Vocale Leipzig wirkte bei Aufführungen des Werkes unter anderem beim Bachfest Leipzig und in Merseburg mit; eine Live-Einspielung wurde 2017 veröffentlicht.

Auch Wiederentdeckungen und Einspielungen weniger bekannter Werke der mitteldeutschen Musikgeschichte gehören zu den wichtigen Aufgaben des Ensembles. So war das Collegium Vocale an der Gesamteinspielung des Kantatenwerks von Johann Ludwig Krebs beteiligt. Gemeinsam mit Michael Schönheit und der Merseburger Hofmusik entstanden darüber hinaus zahlreiche Rundfunk-, Konzert- und CD-Produktionen. Diese Arbeit verbindet musikalische Forschung und historische Aufführungspraxis mit dem Ziel, bedeutende, zum Teil jedoch kaum bekannte Werke wieder für das heutige Konzertleben zu erschließen.

In jüngerer Zeit hat sich das Ensemble zugleich intensiv dem großen geistlichen Œuvre Franz Liszts zugewandt. Gemeinsam mit der Merseburger Hofmusik und weiteren Partnern wirkte das Collegium Vocale Leipzig an der Aufführung und Einspielung von Liszts monumentalem Oratorium Christus mit; die Aufnahme erschien 2024. Im September 2026 war das Ensemble gemeinsam mit der Merseburger Hofmusik, dem GewandhausKinderchor und dem GewandhausJugendchor unter der Leitung von Michael Schönheit in Liszts Oratorium „Die Legende von der heiligen Elisabeth“ im Leipziger Gewandhaus und im Merseburger Dom zu erleben.

Eine besonders enge Beziehung besteht seit Jahrzehnten zu den Merseburger Orgeltagen. Das Collegium Vocale Leipzig ist regelmäßig an den großen geistlichen Konzerten des Festivals beteiligt und hat gemeinsam mit der Merseburger Hofmusik wesentlich dazu beigetragen, selten gespielte Werke ebenso wie zentrale Kompositionen der europäischen Kirchenmusik im besonderen Klangraum des Merseburger Domes zur Aufführung zu bringen.

Mit seiner Verbindung von stilistischer Klarheit, kammermusikalischer Präzision und historischer Aufführungspraxis steht das Collegium Vocale Leipzig für eine lebendige Auseinandersetzung mit der mitteldeutschen Musiktradition. Zugleich reicht sein Repertoire von Schütz und Bach über Haydn, Beethoven und Liszt bis in die Gegenwart. Die langjährige Zusammenarbeit mit Michael Schönheit und der Merseburger Hofmusik prägt dabei einen unverwechselbaren Ensembleklang und macht das Collegium Vocale Leipzig zu einem wichtigen Partner bei anspruchsvollen vokal-instrumentalen Projekten in Leipzig, Merseburg und darüber hinaus.