ANGELICA LEÁNYKAR & ZSUSANNA GRÁF

Angelica Leánykar – Angelika Mädchenchor Budapest

Der Angelica Leánykar (Angelika Mädchenchor Budapest) zählt zu den renommiertesten Mädchenchören Ungarns und hat sich in mehr als drei Jahrzehnten einen festen Platz im internationalen Chorleben erarbeitet. Gegründet wurde das Ensemble 1989 von der Dirigentin und Musikpädagogin Zsuzsanna Gráf im Umfeld des musikalischen Zweiges des Városmajori Gimnázium in Budapest. Seine Mitglieder stammen traditionell aus den Musikklassen der Schule sowie aus dem Kreis ehemaliger Schülerinnen, die dem Ensemble auch während ihres weiteren Studiums verbunden bleiben.

Im Zentrum der künstlerischen Arbeit steht die große ungarische Chortradition. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Werke von Zoltán Kodály und Béla Bartók sowie die Pflege zeitgenössischer ungarischer Chormusik. Dabei versteht sich der Chor nicht allein als Bewahrer dieser Tradition, sondern als lebendige musikalische Werkstatt, in der das ungarische Repertoire immer wieder neu erschlossen und weiterentwickelt wird. Zahlreiche Komponisten haben eigens für das Ensemble geschrieben, darunter Erzsébet Szőnyi, Miklós Kocsár, György Orbán, Levente Gyöngyösi, Péter Tóth, Gyula Bánkövi und Boldizsár Csíky. Viele dieser Werke brachte der Chor erstmals zur Aufführung.

Seine außergewöhnliche Qualität stellte der Angelica Leánykar bei zahlreichen internationalen Wettbewerben unter Beweis. Erste Preise und bedeutende Auszeichnungen erhielt das Ensemble unter anderem bei Chorwettbewerben in Debrecen, Arezzo, Rom, Neerpelt, Tolosa und Cork. Bei der 10. Chorolympiade in Athen errang der Chor eine Goldmedaille beziehungsweise den höchsten Wettbewerbserfolg seiner Kategorie. In Ungarn wurde seine künstlerische Arbeit unter anderem mit dem Magyar Örökség – dem Ungarischen Kulturerbe-Preis – 2009, dem Junior Prima Award 2013 sowie dem Prima-Preis 2014 gewürdigt.

Konzertreisen führten das Ensemble durch zahlreiche Länder Europas sowie nach Nord- und Südamerika, Japan, China, Georgien und Kasachstan. Zu den besonderen Auftrittsorten zählen die Kathedrale Notre-Dame in Paris, der Petersdom in Rom, das Europäische Parlament in Brüssel, der Kölner Dom, die Abtei von Montserrat sowie bedeutende Konzert- und Sakralräume in Madrid, Barcelona und Buenos Aires. Auch in Ungarn ist der Chor regelmäßig auf den großen Konzertpodien zu erleben, darunter im Großen Saal der Franz-Liszt-Musikakademie, im Müpa Budapest, in der St.-Stephans-Basilika, der Matthiaskirche, im Budapest Music Center und im Festetics-Palais.

Der Chor arbeitet regelmäßig mit führenden ungarischen Orchestern und Instrumentalisten zusammen. Zu seinen Partnern gehörten unter anderem das Budapest Festival Orchestra, das Symphonieorchester des Ungarischen Rundfunks, das MÁV-Symphonieorchester, das Danubia Orchestra, die Budapester Streicher und das Liszt Ferenc Chamber Orchestra. Neben A-cappella-Programmen ist der Angelica Leánykar daher auch immer wieder in großen oratorischen und sinfonischen Werken zu erleben. Konzerte und Produktionen des Ensembles wurden vielfach von Rundfunk und Fernsehen aufgezeichnet; zudem sind mehrere eigene CD-Einspielungen erschienen.

Charakteristisch für den Angelica Leánykar sind ein klarer, homogener und zugleich farbenreicher Chorklang, hohe musikalische Präzision sowie eine besondere Aufmerksamkeit für Sprache und Ausdruck. Die Verbindung von professionellem künstlerischem Anspruch und musikalischer Bildungsarbeit prägt das Ensemble bis heute. Damit verkörpert der Chor in besonderer Weise die von Kodály geprägte ungarische Vorstellung, dass musikalische Bildung, gemeinsames Singen und höchste künstlerische Qualität unmittelbar miteinander verbunden sind.

Unter der Leitung von Zsuzsanna Gráf ist der Angelica Leánykar so nicht nur zu einem international erfolgreichen Konzertchor geworden, sondern zugleich zu einem Botschafter der ungarischen Musikkultur. Besonders die Musik von Kodály und Bartók sowie die intensive Beschäftigung mit der zeitgenössischen ungarischen Chormusik verleihen dem Ensemble sein unverwechselbares künstlerisches Profil.

Zsuzsanna Gráf – Dirigentin

Zsuzsanna Gráf gehört zu den profiliertesten ungarischen Chorleiterinnen und Musikpädagoginnen ihrer Generation. Die in Kőszeg geborene Dirigentin, Pianistin und Pädagogin wuchs in einer Musikerfamilie auf. Bereits im Alter von 15 Jahren wurde sie in die Abteilung für außergewöhnlich begabte junge Musiker der Franz-Liszt-Musikakademie Budapest aufgenommen. An der Hochschule absolvierte sie ihre Studien in Chorleitung und Klavier mit hervorragendem Abschluss.

Ein entscheidender Schritt ihrer Laufbahn war die Gründung des musikalischen Zweiges am Városmajori Gimnázium in Budapest. In diesem Zusammenhang rief sie 1989 auch den Angelica Leánykar ins Leben, den sie seitdem künstlerisch prägt und zu einem international anerkannten Ensemble entwickelte. Aus der ursprünglich eng mit der Schule verbundenen Chorarbeit entstand über die Jahrzehnte eine Institution der ungarischen Musiklandschaft, deren internationale Konzertreisen, Wettbewerbserfolge und Aufnahmen weit über Ungarn hinaus Beachtung fanden.

Im Mittelpunkt von Gráfs pädagogischer Arbeit steht die Musikauffassung Zoltán Kodálys. Über Jahrzehnte unterrichtete sie unter anderem Solfège, Musiktheorie, Musikgeschichte und Volksmusik. Gemeinsam mit der Franz-Liszt-Musikakademie und dem Kodály-Institut entwickelte sie am Városmajori Gimnázium ein Modellprojekt für den modernen Musikunterricht, das die Grundgedanken der Kodály-Methode in die Gegenwart überträgt. Zahlreiche ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler entschieden sich später selbst für musikalische Berufe und wurden Sänger, Dirigenten, Komponisten, Musikwissenschaftler oder Musikpädagogen.

Gráf ist auch als Hochschullehrerin tätig. An der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest arbeitet sie unter anderem in der Ausbildung besonders begabter junger Musiker. Zugleich ist sie seit vielen Jahren international als Gastdozentin, Kursleiterin und Jurorin gefragt. Sie leitete Kodály-Seminare und Dirigiermeisterkurse in Europa, den USA, Japan, China, Georgien und Kasachstan und wurde vielfach als Gastprofessorin und Gastdirigentin eingeladen. Besonders enge Verbindungen bestehen nach Japan und Südamerika: Mehrfach arbeitete sie in Tokio, Nagoya und Akita und war wiederholt als Dozentin und Gastprofessorin in Argentinien und Uruguay tätig. Außerdem wirkte sie als Atelierleiterin bei Europa-Cantat-Festivals und als Jurorin internationaler Chorwettbewerbe.

Neben dem Angelica Leánykar arbeitete sie mit weiteren bedeutenden Ensembles zusammen, darunter dem Honvéd Männerchor, dem Chor des Ungarischen Rundfunks, dem Orchester des Ungarischen Rundfunks, den Budapester Streichern und dem Liszt Ferenc Kammerorchester. Auch als Pianistin ist Gráf aktiv. Besonders die Verbindung von Gesang und Klavier sowie die intensive Beschäftigung mit ungarischem Lied- und Vokalrepertoire bilden einen wichtigen Teil ihrer künstlerischen Tätigkeit.

Ein besonderes Anliegen ihrer Arbeit ist die Förderung zeitgenössischer ungarischer Musik. Durch die enge Zusammenarbeit mit Komponisten trug sie wesentlich dazu bei, neue Chormusik zur Aufführung zu bringen und dauerhaft im Repertoire zu verankern. Diese Arbeit hat zugleich das Profil des Angelica Leánykar geprägt: Viele bedeutende ungarische Komponisten schrieben eigens Werke für das Ensemble oder widmeten ihm Kompositionen.

Für ihre künstlerischen und pädagogischen Leistungen wurde Zsuzsanna Gráf vielfach ausgezeichnet. Zu ihren Ehrungen gehören vier Artisjus-Preise, der Franz-Liszt-Preis (2007), der Bartók-Pásztory-Preis (2013), der Prima-Preis (2014), der Apáczai-Csere-János-Preis, das Offizierskreuz des Ungarischen Verdienstordens (2022) sowie die staatlichen Ehrentitel Verdiente Künstlerin und Herausragende Künstlerin. Gemeinsam mit dem Angelica Leánykar erhielt sie außerdem bedeutende Auszeichnungen wie den Junior Prima Award und den Prima-Preis.

2024 gründete Zsuzsanna Gráf in Budapest die Kodály Műhely – Kodály-Werkstatt. Das Zentrum versteht sich als Begegnungsort für Chöre, Musikpädagogen, Künstler und Wissenschaftler und verbindet Konzerte mit Meisterkursen, methodischer Arbeit und fachlichem Austausch. Zugleich hat der Angelica Leánykar dort eine neue künstlerische Heimat gefunden. Damit führt Gráf ihr jahrzehntelanges Engagement für die Kodály-Tradition, musikalische Bildung und zeitgenössische ungarische Musik auch institutionell fort.